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Die Geschichte der Schönheit und des Lifestyle

Die Erzählung über die Geschichte von Schönheit und Kosmetik beginnt im alten Ägypten.

WellSpa-Portal Beauty, Lifestyle, Rose

Beauty und Lifestyle sind eng verbunden. Als Symbol für Schönheit die Rose

Schon in der Steinzeit ummalten sich  die Ägypter Ihre Augen. Warum Sie das taten ist bis heute nicht geklärt. War es Eitelkeit, ein Lob auf die Götter oder einfach nur als Schutz gegen Fliegen gedacht.

Doch nicht nur die dekorative Kosmetik hatte bereits früh einen sehr hohen Stellenwert, auch pflanzliche und tierische Fette, die über Anti Age Wirkung verfügten und damit für jugendlich-straffe Haut sorgten kannte das Volk am Nil.

Reichhaltige, angenehm duftende Öle waren in jeder Grabbeigabe für Schönheit im Jenseits zu finden.

 

Doch auch für das irdische Dasein wurde gesorgt. Viele alte bekannte Schönheitsmittel werden noch heute sehr erfolgreich im Kampf gegen die Zeichen der Zeit eingesetzt. Man denke an die Milch in der Cleopatra badete, Honig mit seiner antiseptischen, heilenden Wirkung oder wertvolle Nussöle die die Haut geschmeidig glatt pflegen.

Die Ägypter wussten damals schon, Kosmetik ist der sorgsame Umgang mit unserer Haut.

Reinigung und Pflege zum Schutz der Haut, zum Schutz der Gesundheit.

Wirkungsvolle Inhaltsstoffe zur Erhaltung der Jugend, zur Verlängerung der Schönheit.

Das alles und noch viel mehr wird heute von Menschen unternommen um den Zeichen der Zeit Paroli zu bieten.

Doch heutzutage gehört noch viel mehr dazu als nur Pflege um in moderner, charakteristische Art das Leben zu gestalten. Mode, Genuss, Kultur, Design, Wellness  und Architektur  sind unter dem Begriff Lifestyle zuhause.

Aus der Geschichte von Kosmetik und Parfüm

von Christian von Faber Castell

1. Vorgeschichtliche Wurzeln
  • Woher die Begriffe stammen
    Woher weiss man das?
2. Die Hochkulturen der Antike
3. Mittelalter, Renaissance und Barock
  • Von der Kunst des Destillierens
    Parfüm statt Wasser
    Bleiweiss, Eselsmilch und alter Wein
4. Die Neuzeit
  • Kosmetik und Kunst
5. Verwendete und weiterführende Literatur

***

Von Kleopatras Eselsmilch bis zu den Liposomen
1. Vorgeschichtliche Wurzeln
Wurzeln der Schönheit und Lifestyle liegen in der Natur

Wurzeln der Schönheit

In der Medizingeschichte belegen Knochenfunden in jungsteinzeitlichen Gräbern (Jungsteinzeit = Neolithikum, etwa von 6000 bis 1800 v. Chr.) vereinzelte Fälle chirurgischer Eingriffe, welche die Patienten offenbar überlebten, wie die Verheilungsspuren an den Knochenrändern zeigen. Dazu gehören beispielsweise so heikle Operationen wie Schädelöffnungen (Trepanationen) zur Druckentlastung oder Geistervertreibung bei Kopfschmerzen oder Epilepsie. Dagegen gibt es kaum konkrete Belege für ein prähistorisches Schmink- oder Tätowierwesen, weil die Haut als Trägerin solcher Massnahmen im Unterschied zu den Knochen ja längst zerfallen ist.
Es wird aber angenommen, dass sich die Menschen schon in frühester vorgeschichtlicher Zeit auf die eine oder andere Art äusserlich zu schmücken und zu verschönern versuchten. Dies geschah vermutlich durch das Bemalen oder „Schminken“ mit natürlichen, möglicherweise mit Tierfetten, Wachs, Harz oder ähnlichen Bindemitteln gebundenen Farbpigmenten wie roter und gelber Ocker, Kohle, usw. Eine weitere „kosmetische“ Verschönerungsmethode bestand möglicherweise in der gezielten Narbensetzung mittels kleiner Hauteinschnitte und sogar in regelrechten  Tätowierungen, für die Farbpigmente – meist Holzkohle oder ähnliches – in die oberen
Hautschichten eingebracht wurden.
Tatsächlich stammt ja der Begriff „Tätowierung“ vom polynesischen Wort „Tatauierung“. Ethnologischen (völkerkundlichen) Untersuchungen zufolge sollen sich die Ureinwohner von Tahiti und anderer polynesischer Inseln mit umfangreichen Tätowierungen als Zeichen ihres Reichtums geschmückt haben. Die Männer der Maoris auf Neuseeland wiederum sollen die Linien und Falten ihrer Gesichter mit Hilfe solcher Tätowierungen als eine Art Erkennungszeichen oder „Wappen“ nachgezogene haben.

Vom Höhlenmensch zur Körpermalerei

Spätestens als die Menschen begannen, ihre Wohnhöhlenwände mit reichen Malereien zu schmücken – die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux in Südwestfrankreich stammen aus der jüngeren Altsteinzeit (Paläolithikum, etwa von 500 000 bis 8000 v. Chr.) um 15 000 v. Chr., dürften sie auch mit dem Schmuck und der Bemalung ihrer Körper begonnen haben. Diese Urkosmetik dürfte sich unter den Jägern und Sammlern der Mittelsteinzeit (Mesolithikum, um 8000 bis 5500 v. Chr.) fortgesetzt und in den Dörfern der ersten Bauern der Jungsteinzeit (Neolithikum, um 5500 bis 2300 v. Chr.) weiter verfeinert haben.
Unklar ist dabei allerdings, ob diese frühen Schmink- und Verzierungsmassnahmen bereits wie heute der persönlichen Verschönerung und Individualisierung des einzelnen Menschen dienten, beispielsweise zur Erhöhung der Anziehungskraft auf das andere Geschlecht, oder ob sie eher aus religiösen oder rituellen Gründen (von „Ritus“ und „Ritual“ = „Heiliger Brauch“) vorgenommen wurden.
Beispiele für solche Rituale sind jene sogenannten „Initiationsriten“ (Einführungsfeiern), mit denen in manchen Urvölkern und Stämmen der Übergang vom Knaben zum Mann besiegelt wird.
Aufgrund von Vergleichen mit heutigen Naturvölkern ist übrigens davon auszugehen, dass derartige „Verschönerungen“ von Männern ebenso häufig wie von Frauen – wenn
nicht sogar häufiger – angewandt wurden.

Woher die Begriffe kommen

Viele in der Kosmetik gebräuchlichen Begriffe, Ausdrücke und Namen leiten sich von griechischen und lateinischen Wurzeln ab. Der Begriff „Kosmetik“ für „Schönheitspflege“ beispielsweise stammt vom griechischen Verb „kosmein“ für „(an)ordnen, aufstellen, schmücken und ausschmücken“ und ist damit zugleich mit dem Begriff „Kosmos“ für „Ordnung, Schmuck“ verwandt. In die deutsche Sprache gelangte der moderne Begriff Kosmetik erst im 17. Jh. über das englische Adjektiv „cosmetic“

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Das Wort „Parfüm“ dagegen kommt vom lateinischen „per fumo“, was soviel wie „durch den Rauch“ bedeutet. Das erinnert an den Brauch, im Rahmen von Opferhandlungen für die Götter und anderen religiösen Anlässen Weihrauch und verwandte Kräuter und Gewürze anzuzünden. Der dabei entstehende Wohlgeruch kam dann eben „durch den Rauch“ zu den Anwesenden. Die Namen vieler der dabei verwendeten Gewürze und Kräuter wiederum wie Myrrhe, Zimt, Jasmin und Geschichte  dergleichen stammen – wie diese Gewürze selbst – grossenteils aus dem Orient, aus dem Arabischen, dem Persischen oder dem Hebräischen. Übrigens sind auch die deutschen
Wörter Riechen und Geruch ursprünglich mit dem althochdeutschen Wort „riohhan“ für „rauchen, dampfen, duften“ verwandt.
In dem vor allem in der Parfümerie viel verwendeten Begriff „olfaktorisch“ für „riechbar“ oder „durch den Geruchssinn wahrnehmbar“ findet sich dagegen das lateinische Wort „oleo“ für „ich rieche“ und „olfacere“ für „beriechen“. Ein „Olfaktometer“ ist daher ein Messegerät, um die Stärke von Gerüchen oder auch die Stärke des Geruchssinns zu messen. Der Riechnerv, der die Sinneszellen in unserer Nasenschleimhaut mit dem Hirn verbindet, heisst „Nervus olfactorius“ und „Olfactorium“ bedeutete früher soviel wie Riechstoff.
Sprachgeschichtlich eng verwandt mit dem Tätigkeitswort „oleo“ ist die Form „odeo“ mit der gleichen Bedeutung „ich rieche“. Davon wiederum stammt das lateinische Wort „Odor“ für Geruch oder Gestank, das sich unter anderem in unserer Bezeichnung „Deodorant“ findet.

Die Begriffe „Duft“ und „Duftstoff“ wiederum – letzterer bezeichnet im wesentlichen natürliche oder künstliche chemische Verbindungen oder Mischungen von Verbindungen, die den Geruchssinn als den biologisch ältesten Sinn des Menschen (angenehm) ansprechen – geht auf das mittelhochdeutsche Wort „dimpfen“ für „rauchen“ (verwandt mit „dampfen) zurück. (Eine modernere Definition beschreibt „Duftstoffe“ als Stoffe, deren Moleküle in Wechselwirkung treten mit entsprechenden Rezeptoren in der Nasenschleimhaut und dabei Signale an das Zentralnervensystem auslösen, die von diesem zu Geruchswahrnemungen verarbeitet werden.). Der in der Parfümerie seltener vorkommende Begriff „Aroma“ kommt vom gleichlautenden griechischen Wort „Aroma“ für „Gewürz“.
Der Ausdruck Toilette ist eigentlich nichts anderes als die Verkleinerungsform des französischen Wortes „Toile“ für „Gewebe“ oder „Tuch“ und heisst ursprünglich also nichts anderes als „Tüchlein“. Gemeint war damit einst jenes leinene „Nacht-Tuch …. worein das Frauenzimmer ihre Nachtkleider zu schlagen pfleget“ (nach: Amaranthes  1715 Frauenzimmer-Lexikon). Mit der Zeit erweiterte sich die Bedeutung auf „Aussteuer an Nachtkleidern und Schmucksachen bei Fürstlichkeiten“. Bei Goethe wurde daraus der „Putztisch“ – also der Tisch, an dem sich die Dame herausputzte, und so kam es zur heutigen (Teil-)Bedeutung des Wortes Toilette, wie sie etwa im Wort
„Eau de Toilette“ fortlebt.

Salbei nacht Salbei

Der Begriff „Salbe“ leitet sich nicht etwa vom Namen der Heilpflanze „Salbei“ ab (dieser kommt vom lateinischen „salvus“ für „gesund“ und der lateinische  Pflanzennamen lautet „Salvia“), sondern von der indogermanischen Wurzel „solpa“ für „Öl, Fett“. Das von der gleichen Wurzel stammende griechische Wort „olpe“ für Ölflasche erinnert lautmässig entfernt an die Verwandtschaft mit „lipos“ für „Fett oder „Fettige Flüssigkeit“, das unter anderem den „Liposomen“ ihren Namen verlieh (mit „soma“ = Körper).
Der Begriff „Crème“ dagegen leitet sich über das Französische vom griechischen Wort „Chrisma“ für „Salbe“ ab. Es kommt unter anderem auch in den Vornamen „Christian(os)“ für „der Gesalbte“ („gesalbt“ mit kostbaren Ölen wurden in der Antike weltliche und griechische Würdenträger) sowie im Vornamen „Christoph(eros)“ für der „der Salbenbringer, der Salber“

Das Wort „Seife“ scheint mit dem germanischen „saipon“, dem althochdeutschen „seifa“ und dem angelsächsischen „sap“ für „Harz“ und „das Tröpfelnde“ verwandt.
Möglicherweise bezeichnete man damit allerdings zuerst jene Haarbeizen aus flüssigen Kaliseifen, die vermutlich mehr zur Rotfärbung der Haare als zur Reinigung verwendet wurden. Auch das lateinische „Sapo“, wie es im italienischen „sapone“ und im französischen „savon“ weiterlebt, dürfte ursprünglich auf das germanische „saipon“ zurückgehen, das über die Gallier zu den Römern fand.

Der moderne Ausdruck „Tenside“ für waschaktive Substanzen kommt dagegen vom lateinischen „tensio“ für „Spannung“ und erinnert daran, dass das Wirkungsprinzip dieser Substanzen darin besteht, die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen. Die grosse Zahl griechischer und lateinischer Wortstämme in der Kosmetik erklärt sich daraus, dass einst Kosmetik, Körper- und Schönheitspflege untrennbar mit der Medizin verbunden waren, deren Fachsprachen eben Latein und Griechisch waren. Vom 18. Jh. an bis weit ins 20. Jh. war die Kosmetik und vor allem die Parfümerie stark von französischen Errungenschaften geprägt, was sich natürlich auch in der Fachsprache und zahlreichen Namen und Begriffen spiegelt. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges, also in der zweiten Hälfte des 20. Jh., gewann dann aber der amerikanische Kosmetikmarkt stark an Bedeutung. Das führte – zusammen mit der allgemeinen Ausbreitung der englischen Sprache als Weltsprache – dazu, dass inzwischen auch in der Kosmetik englische Begriffe, Namen und Ausdrücke vordringen und die entsprechenden  französischen oder deutschen Wörter zum Teil ersetzen. Während beispielsweise in der Wortschöpfung „Crème antirides“ (oder „Crème anti-rides“) für „Antifaltencreme“ noch das Französische vorherrscht, spricht niemand von einer „Crème de réparation nocturnal“ und schon gar nicht von einer „Nachtreparaturcreme“ sondern ein solches Produkt heisst englisch „Night Repair Creme“

<Für die meisten hier wiedergegebenen Erklärung zur Herkunft kosmetischer Begriffe diente Friedrich Kluges „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ (Berlin, 1967) als Grundlage, weitere Erläuterungen stammen aus dem Internet-Site www.wortherkunft.de. Ergänzend dazu wurden Michael Petschenigs „Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch „Der kleine Stowasser“ (Orell Füssli, Zürich, 1965)
sowie Wilhelm Gemolls „Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch“ (8. Auflage, G. Freytag Verlag, München-Wien, 1962) verwendet.>

Schon im 4. Jahrtausend v. Chr., also schon lange bevor in unseren Breiten die Entdeckung der Metallwerkstoffe zu Bronzezeit (2300 bis 800 v. Chr.) und Eisenzeit (800 bis 15 v. Chr.) führen sollte, haben frühe Kulturen in Kleinasien und Nordafrika von den Sumerern bis zu den vordynastischen Ägyptern (= Ägypten vor den ersten Pharaonen-Dynastien, Dynastien = Herrscherfamilien) erste schriftliche Zeugnisse hinterlassen und damit den Übergang von der schriftlosen Prähistorik oder Vorgeschichte zur Geschichte (Historik) mit ihren schriftlichen Quellen und Überlieferungen eingeläutet.
In jenen Kulturen scheint die Kosmetik, und zwar ebenso als pflegende wie als dekorative Kosmetik, bereits einen hohen Stand erreicht zu haben, wie die unzähligen Grabfunde von Salb- und Schminkgefässen belegen, die man den Verstorbenen für ihr Fortleben im Jenseits als Grabbeigaben mitgab. Typische Zeugnisse solch früher Kosmetikkultur sind etwa jene kleinen, oft aus farbigem Glas gefertigten Salbgefässe oder Balsamarien (Balsam- und Kosmetikbehälter oder -Fläschchen) oder auch die in unzähligen dekorativen Ausführungen bekannten Kohl-Töpfchen für die schwarze Augenschminke Kohl. (Kohl bestand hauptsächlich aus Antimonsulfid und
Holzkohlepulver. Antimon ist ein Metall, das oft mit Blei und Silber zusammen in den entsprechenden Erzen vorkommt. Erze sind Mineralien und Gesteine, die eines oder mehrere Metalle enthalten, und zwar meist als Schwefelverbindungen (Sulfide) oder Sauerstoffverbindungen (Oxyde)). Im weiteren gab man den Verstorbenen oft regelrechte Schminkpaletten mit ins Grab, bestehend aus manchmal tierförmigen dünnen Schieferplatten, auf denen man die Schminkpigmente und Bindemittel mischen konnte.
Naturgemäss sehr wenig weiss man über die Körperreinigung in vorgeschichtlichen Zeiten als eine der wesentlichen Aufgaben der Körperpflege. Ob sich die damals lebenden Menschen überhaupt wuschen ist ebenso unbekannt wie die Antwort auf die Frage, ob sie sich dazu reinigenden Hilfsmittel, Geräte und Hilfsstoffe bedienten, und wenn, welcher. Unbekannt ist schliesslich auch, ob die vorgeschichtlichen Menschen – zuerst Sammler und Jäger, in der Jungsteinzeit dann auch schon sesshafte Bauern – die zahlreichen Ätherischen Öle von Pflanzen bereits als Dufts- und Aromastoffe nutzten, beispielsweise zum Würzen von Speisen, zu medizinischen Zwecken oder gar für eine Art Parfümierung ihrer selbst. Immerhin kann man sich auch ohne konkrete archäologische Hinweise vorstellen, dass Wohlgerüche von den Menschen schon in frühesten, vorgeschichtlichen Zeiten geschätzt wurden.
So schreibt der Kosmetikforscher Friedrich Hoffmann schon 1899: „… Ist eine rechte Kenntniss und Verwerthung der in neuerer Zeit als ätherische Oele und Aromaten bezeichneten, die Annehmlichkeit und Schönheit der Pflanzenwelt so wesentlich bedingenden Producte auch erst in späteren Zeitaltern gewonnen worden, so ist deren Wesen und Bedeutung wohl schon der Wahrnehmung der ältesten Völker nicht entgangen. Gewiss zogen nicht nur die Anmuth und Farbenpracht der Blüthen, sondern auch die Mannigfaltigkeit der Wohlgerüche der im südlichen Asien und dessen Inselgruppen in reicher Fülle prangenden Vegetation deren Wissbegierde nicht weniger
an, als die Benutzung der Pflanzen für die Zwecke der Ernährung, der Bekleidung und anderer mannigfacher Existenzbedürfnisse. Und gerade die dem Geruchs- und Geschmackssinne auffälligen würzigen Pflanzen und Pflanzengebilde dürften schon frühzeitig als besonders werthvolle, von der Natur reicher bedachte Stoffe die Aufmerksamkeit der Menschen in besonderem Maasse auf sich gezogen und zu deren Verwerthung, wie auch für deren Gewinnung und zweckdienliche Bearbeitung für längere Aufbewahrung angeregt haben….“

<zitiert aus: Eduard Gildemeister und Friedrich Hoffmann, „Die aetherischen Oele“, Verlag Julius Springer, Berlin, 1899>

Woher weiss man das?

Was in Aufsätzen und Büchern zur frühesten prähistorischen Geschichte von Kosmetik und Parfüm zuweilen als gesicherte geschichtliche Tatsachen dargestellt wird, ist in den meisten Fällen alles andere als gesichert. Tatsächlich weiss man über die Anfänge der Kosmetik in prähistorischer, also vorgeschichtlicher Zeit kaum Genaueres sondern man ist auf die ungesicherte Deutung von archäologischen Funden angewiesen. Schriftliche
Quellen gibt es aus vorgeschichtlicher Zeit nicht. Als „prähistorisch“ oder „vorgeschichtlich“ werden nämlich gerade jene Epochen der Menschheitsgeschichte bezeichnet, in denen noch keine schriftlichen Aufzeichnungen gemacht wurden oder aus denen zumindest noch keine solchen schriftlichen Quellen überliefert sind.
Wichtige Quellen für die Erforschung der Frühgeschichte von Medizin, Kosmetik und Körperpflege sind daher Ausgrabungsfunde, und zwar überwiegend Grabbeigaben, welche die bestatteten Verstorbenen ins Jenseits begleiten sollten. Dazu gehören etwa Gefässe und Fläschchen, die – vermutlich – mit kostbaren Salben, Ölen und Duftstoffen gefüllt waren, ferner Werkzeuge zur Körperpflege wie Rasiermesser, Körperschaber zur Reinigung usw., aber auch aufwendig dekorierte Schminkpaletten und vermutlich sogar ganze Schmink- und Körperpflegeausrüstungen. Von diesen blieben natürlich fast immer nur die unvergänglichen Teile aus Metall, Stein, Ton, Knochen und vereinzelt auch Holz erhalten, während beispielsweise Textilien, Pinsel und ähnliche organische Materialien über die Jahrtausende zerfallen sind. Auch aus der Antike, von den alten Ägyptern bis zu den Römern zwischen 4000 v. Chr. und 400 n. Chr. kennt man solch „kosmetische“ Grabbeigaben in grosser Zahl und Vielfalt. Dazu kommen zahlreiche aufschlussreiche bildliche Darstellungen in Mosaiken und auf Wandgemälden – beispielsweise in Pompeji (Stadt nördlich von Neapel, verschüttet durch einen Vulkanausbruch des Vesuv im Jahre 79. n. Chr.). Aber für diese Zeit existieren eben auch mehr oder weniger detaillierte schriftliche Quellen zur Medizin und Kosmetik von Ärzten, Geschichtsschreibern, Dichtern usw. In der Werken der griechischen und römischen Dichter und Geschichtsschreiber von Homer und Herodot bis zu Tacitus finden sich aber auch wichtige Angaben für die Erforschung der prähistorischen, vorschriftlichen Frühgeschichte von Medizin, Kosmetik und Körperpflege. Vieles davon beruhte zwar schon damals wohl nur auf mündlichen Überlieferungen. Aber vor 2000 Jahren dürften diese Überlieferungen doch noch frischer als heute gewesen sein. Andere, allerdings noch weniger sichere Quellen bilden Sagen und Legenden und deren sorgfältige Untersuchung auf Hinweise und Anmerkungen zu Kosmetik und Körperpflege. Manche der antiken Sagen dürften ihre Wurzeln nämlich in prähistorischen Zeiten haben. Zu den grössten Schwierigkeiten und Fehlerquellen in der Auswertung und Deutung kosmetischer Details solcher Sagen gehören Verfälschungen und Anpassungen durch jene, die diese Sagen in griechischer und römischer Zeit für die Nachwelt aufzeichneten.

Eine weitere wichtige Quelle zur Frühgeschichte von Medizin, Kosmetik und Körperpflege bilden vergleichende ethnologische, also völkerkundliche Untersuchungen an Stämmen und Völkern, die bis vor kurzem oder heute noch in schriftlosen, sozusagen prähistorischen Kulturen leben, beispielsweise in den Urwäldern Südamerikas oder auf entlegenen Inseln Indonesiens. Derartige völkerkundliche Untersuchungen und Vergleiche gehen davon aus, dass das Leben in derartigen heute lebenden Stämme in vieler Hinsicht mit jenem vorgeschichtlicher Stämme vergleichbar ist. Überprüfen oder gar beweisen lässt sich das aber natürlich nicht. Daher sind die auf solchen ethnologischen Vergleichen beruhenden Deutungen – beispielsweise zum Gebrauch bestimmter Gerätschaften in der Körperpflege, die man in ähnlicher Form auch in vorgeschichtlichen Gräbern gefunden hat und deren Verwendung vorerst unklar war – mit Vorsicht zu geniessen und können nicht als gesichertes Wissen gelten.
Unter nüchterner Betrachtung gibt es nur sehr wenig gesichertes Wissen über das Leben der Menschen in vorgeschichtlicher Zeit.

2. Die Hochkulturen der Antike

Als Hochkulturen bezeichnet man in der Archäologie und Geschichte Völker, die in ihrer gesellschaftlichen, geistigen und oft auch künstlerischen Entwicklung einen Stand erreicht haben, der über dem durchschnittlichen Stand der ihnen vorangegangenen oder gleichzeitig mit ihnen lebenden Völker lag. Kennzeichen solcher Hochkulturen sind unter anderem eine weit ausgebaute Staats- und Gesellschaftsordnung, ferner mehr oder minder verbreitete Kenntnisse des Schreibens, Lesens und zum Teil auch des Rechnens sowie weiterer geistiger, technischer, künstlerischer und handwerklicher Fertigkeiten.
Zur kulturellen Hochblüte des alten Ägyptens, bei den alten Griechen, Etruskern (Italien) und Römern und in vielen anderen Hochkulturen der Antike – beginnend etwa im 4. Jahrtausend – von den Persern bis hin zum frühmittelalterlichen Byzanz (heute: Istanbul) gehörten Parfüms und Kosmetika zum Alltag mindestens derer, die sich dies leisten konnten.
In den Werken der alten Schriftsteller und Historiker, von den Griechen Homer (um das 8. Jh. v. Chr.) und Herodot (um 484 bis 430 v. Chr.) über zahlreiche Römer bis hin zum kosmetisch besonders ergiebigen und reichhaltigen alten Testament der Bibel, findet man unzählige unmissverständliche Hinweise auf die grosse Bedeutung der Kosmetik in jenen Epochen. Ausführliche Angaben zur Gewinnung, Herstellung und Verwendung früher Kosmetika und Körperpflegemittel liefern die Werke der antiken Wissenschaftler, Mediziner und Ärzte wie Plinius, Theophrastus, Hippokrates, Dioscorides und Galenus. Auch aus den alten Kulturen Indiens, Chinas und Persiens sind zum Teil sogar noch erheblich frühere Werke überliefert, die Angaben zu diesem Themenkreis enthalten. Dazu gehören insbesondere die auf rund 6000 Jahre alte indogermanische Wurzeln zurückgehenden indischen Schriften der Ayur-Vedas (Buch der Lebenskunde) der altindischen Philosophen Charaka und Susruta. Zu den ältesten noch im Original erhaltenen schriftlichen Quellen zur Kosmetik gehören assyrische Keilschrifttafeln aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. (Die Assyrer lebten auf dem Gebiet des heutigen Irak im sogenannten Zweistromland zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris), die neben Angaben zur medizinischen Verwendung von Heilkräutern auch Rezepte für duftende Salben, Riechwässer und dergleichen enthalten. Aus all diesen Überlieferungen geht hervor, dass sowohl in den asiatischen Kulturen Chinas, Indiens und Persiens als auch in der bereits 4000 Jahre vor Chr. aufblühenden ägyptischen Kultur in Nordafrika praktische chemische Kenntnisse der Kosmetikaherstellung vorhanden waren. So geht man beispielsweise davon aus, dass damals schon einfache Destilliervorrichtungen zur Gewinnung ätherischer Öle aus Pflanzen in Gebrauch waren, und dass auch die Gärung zur Alkoholgewinnung bekannt war.

WellSpaPortal Weihnachtsstern

Weihnachtsstern aus dem WellSpa-Portal

So sollen die Ägypter unter anderem schon Alkohol aus Wein und Zedern- oder Terpentinöl aus Zedernharz destilliert haben. Vermutlich waren ihnen auch andere Techniken zur Gewinnung von Duftstoffen und ätherischen Ölen bekannt wie etwa die Mazeration, also das Einlegen duftstoffhaltiger Pflanzenteile in Fett oder ÖL. Im weiteren verstanden sie sich auf die Gewinnung oder Herstellung von Soda (Natriumkarbonat), Alaun (Kaliumaluminiumsulfat, zum Gerben, Färben, Beizen und Blutstillen), Essig und sogar Seife.
Dabei ist festzustellen, dass in der Antike die Bereiche Körperpflege und Kosmetik untrennbar eng mit der Heilkunde und Medizin verbunden waren. So fanden etwa jene ätherischen Öle, Aromen und Duftstoffe bis hin zum kostbaren Rosenöl, die schon von den alten Indern ebenso wie von den Ägyptern gewonnen und zur Körperpflege und Kosmetik verwendet wurden, auch in der Heilkunde Anwendung. Dementsprechend war die Beschäftigung mit Kosmetika, deren Herstellung und Anwendung auch eine Tätigkeit, die Ärzten, Priestern und ähnlich hochrangigen Personen vorbehalten war.
Für die in der Körperpflege so wichtige Reinigung von Körper und Gesicht wiederum soll zum einen das Seifenkraut (Saponaria offizinalis) verwendet worden sein, dessen Blätter wasch- und oberflächenaktive (=schaumbildende) Stoffe enthalten, die auch heute noch in Produkten zur Hautreinigung und in Shampoos eingesetzt werden (Quelle: Clarins Forschung; www.clarins.com). Zum andern dürfte schon damals die reinigende Kraft von Soda (Natriumcarbonat, aus ausgetrockneten Salzseen) und Pottasche (Kaliumcarbonat, gewonnen durch Auslaugen von Holzasche) bekannt gewesen sein, die sich allerdings nur sehr bedingt für die Hautreinigung eigneten. Daher verwendeten die Griechen und Römer zur Hautreinigung eher mechanische Reinigungsmittel und -methoden wie Sand, Asche, Tonerde und Bimsstein. Die Römer benützten ferner spezielle halbrund geformte Schaber aus Metall, sogenannte Striegel, um ihre zuerst eingeölten Körper sauber zu schaben. Seifen wie sie heute bekannt sind, also Alkalisalze von Fettsäuren, die durch das sogenannte Verseifen von tierischen oder pflanzlichen Fetten mit Natron- oder Kalilauge (Natrium- oder Kaliumhydroxyd), wurden bei den Römern dagegen unter dem Namen „Sapo“ erst in früher nachchristlicher Zeit beschrieben, unter anderem vom Naturhistoriker Plinius, der von 23 bis 79 n. Chr. lebte, in seinem Werk „Naturalis Historia“. Hergestellt wurde diese „Sapo“ von den Galliern, also den Ureinwohnern des heutigen Frankreichs, aus (Ziegen-)Talg hergestellt, und zwar offenbar weniger als Reinigungsmittel, sondern als Haarfärbemittel zur Rotfärbung der Haare. Allerdings dürften zumindest die Römer bald auch die Reinigungskraft dieser Seife erkannt haben.
So fand man in den gut erhaltenen Ruinen der im Jahre 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vulkan Vesuvs verschütteten römischen Stadt Pompeji (nördlich von Neapel) einen ganzen Seifenvorrat. Der römische Arzt Galenus beschreibt dann auch die Verwendung dieser Seifen als Waschmittel und lobte sogar besonders die germanische Seife, „deren  Güte auf den Wildreichtum und die riesigen Buchenwälder, die das Holz für die Asche lieferten, zurückzuführen sei.“

<zitiert nach: Heinrich Wurm, „Warenkunde für den Seifen-, Pafümerien- und Bürstenhandel“, Ferdinand Holzmann Verlag, Hamburg, 1950>

Inzwischen haben Archäologen Hinweise darauf gefunden, dass schon die Sumerer in Babylon im 4. Jahrtausend v. Chr. wahrscheinlich eine Art Seife aus Öl und Pottasche herzustellen wussten und dieses Wissen auch an Nachbarvölker wie die Ägypter und Syrer weitergaben. Jedenfalls kannten fast alle Völker der Antike, von den Ägyptern, Griechen und Persern über die Etrusker und Römer bis zu den Byzantinern ebenso wie die Hochkulturen Asiens in China Indiens und Persien eine schier unermessliche Fülle an Kosmetika, Schönheits- und Pflegemittelchen, Duftstoffen, Ölen, Salben usw.. „Der Bedarf an Duftstoffen war gewaltig, denn die Menschen des Altertums von China bis Aegypten, im alten Persien ebenso wie im antiken Rom parfümierten sich und ihre Umgebung in einem Mass, das uns heute grotesk erscheint: Wer es sich leisten konnte, badete in parfümiertem Wasser, nicht nur der Körper wurde gesalbt, sondern auch das
Haar, man parfümierte die Kleidung, das Bett einschliesslich der Gespielin, die Lieblingssklavin ebenso wie das Leibross, die Ziegel der Häuser und Tempel, die Wände der Zelte, die Sänften und sogar die Segel der Schiffe…“

<zitiert aus: „Das H&R Buch Parfüm“, H&R Edition, Glöss Verlag, Hamburg, 1984>

Eine wichtige Quelle für das geschichtliche Wissen über solche Anwendung von Kosmetika und Duftstoffen liefern übrigens jene oft wortgetreu überlieferten Gesetze, die etwa in Athen und Rom derartige Übertreibungen eindämmten oder gar verboten. Dennoch war der Handel mit Kosmetika und ihren Grundstoffen – die nicht selten aus dem fernen Orient herbeigeschafft werden mussten, wie etwa die nach Zimt duftende
Rinde des indischen Kassiabaumes, Myrrhe und Balsam aus Nordafrika und Arabien usw. – auch im alten Rom ein blühender Handelszweig. Die Salbenhändler der nördlich von Neapel und unweit von Pompeji gelegenen Stadt Capua sollen gar eine ganze Strasse gebildet haben. Selbst die kriegerischen Germanen benutzen ihre eigene Hautpflegemittel, darunter offenbar mit Vorliebe Butter, und zwar möglichst alte Butter. Dies dürfte nicht zuletzt
auch den Eindruck, den die an feine Essenzen und wohlriechende Duftöle gewöhnten Römer von ihren nördlichen Nachbarn nach den ersten Begegnungen mitnahmen, ungünstig beeinflusst haben…
Bezeichnenderweise waren es in der Antike nicht allein die Frauen, die sich kosmetisch schmückten und parfümierten, sondern auch die Männer, wobei es hier allerdings auch gewisse Vorurteile gegen männliche Duftübertreibungen gegeben haben soll. Sogar Caesars Soldaten sollen sich ausgiebig gesalbt und parfümiert haben. Dass ausgerechnet in Armeen überdurchschnittlich viel Kosmetik verwendet wird, scheint übrigens
interessanterweise nicht auf die Antike beschränkt: Laut einer amerikanischen Statistik sollen die US-Soldaten zeitweise fast gleichviel für Kosmetika ausgegeben haben, wie die amerikanischen Frauen, was den Statistiker Bingham mit den Worten kommentierte: „Wie wissen nicht, an welcher Stelle der internationalen Skala der Kampfkraft unsere Truppen stehen, aber bestimmt riechen sie am besten…“
Diese und die folgenden Anekdoten und Zitate, die wenigstens einen kleinen Eindruck vom Reichtum der so vielfältigen, unterhaltsamen und lehrreichen Geschichte der Kosmetik vermitteln sollen, stammen zum grössten Teil aus dem 1976 von der Firma Inka Cosmetic S. A. in Marly-Fribourg herausgegebenen kleinen Buch „Kosmetik und Kulturgeschichte“ von Georg Kunze und Hartmut Winderlich.

Die um 60 v. Chr. lebende Poppäa, die zweite Frau des Römischen Kaisers Nero, soll beispielsweise stundenlang „eine Gesichtsmaske aus Erbsenblüte, Gerstenmehl, Eiern, Narzissenzwiebeln und Honig“ getragen haben und liess sich dieses sogenannte „formentum“ (so nannte man eine solche Maske damals) anschliessend mit Eselsmilch wieder abwaschen. Der Römische Dichter Juwenal spottete angesichts solcher offenbar verbreiteter Masken und Kuren „Ein Ehemann sieht nur selten das Antlitz seiner Frau ohne Verkleidung“ während sein Dichterkollege Ovid den Frauen riet:
„Niemals komme das Töpfchen zur Schau, das die Schönheit bewahrt dem Geliebten. Es hilft nur die verheimlichte Kunst. Alles dienet der Schönheit, doch ist’s kein reizvoller Anblick , das entstehen zu seh’n, was nur entstanden gefällt. Besser ist’s, er schläft, derweil du dich schmückst. Nach vollendetem Putz stehst du, ein Meisterwerk, da …“

Der um 100 n. Chr. lebende Komödienschreiber Plautus soll gar gesagt haben: „Eine Frau ohne Schminke ist wie ein Essen ohne Salz…“ Von der für ihre Schönheit berühmten Kaiserin Zoë, die von 1028 bis 1050 über Byzanz
(heute: Istanbul) herrschte ist bekannt, dass sie „nicht nur den bestmöglichen Gebrauch von ihren Reizen machen, sondern sie auch mit den damals modernsten kosmetischen Mitteln und Methoden konservieren“ wollte. „Ihre Privaträume wurden dafür in ein regelrechtes Laboratorium mit Röhrchen, Tiegeln und Apparaten zur Bereitung von Salben umgewandelt.“

3. Mittelalter, Renaissance und Barock

Nach dem Untergang des (West-)Römischen Reichs im 5. Jh. geriet zumindest in Europa ein grosser Teil der Errungenschaften der Antike für mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit. Die Wirren der Völkerwanderung und später die kirchliche Zensur brachten zudem über mehrere Jahrhunderte fast alle wissenschaftliche Forschung zum Stillstand. Diese Zeit zwischen dem Untergang Roms und der bis in unsere Gegenwart reichenden Neuzeit nennt man auch das Mittelalter. Es wird üblicherweise in eine Frühmittelalter, von 500 bis etwa 1000 n. Chr., in ein Hochmittelalter von ca. 1000 bis 1250 n. Chr. und in ein Spätmittelalter von ca. 1250 bis 1500 n. Chr. eingeteilt.Zuweilen wird das Ende des Mittelalters auch mit der Eroberung von Byzanz, damals die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, (Heute: Istanbul) durch die Türken im Jahre 1453 gleichgesetzt. Damals kamen viele gebildete Flüchtlinge aus Byzanz nach Europa. Indem sie die Gelehrten Europas mit ihrem Wissen zur Beschäftigung mit der Kunst, Philosophie und Wissenschaft der Antike anregten, läuteten sie den Beginn der Renaissance – also der „Wiedergeburt“ antiker Ideen und Geisteshaltungen – ein. Weil dies in den einzelnen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschah, ist das jeweilige Ende des Mittelalters je nach Region und Kultur unterschiedlich anzusetzen. In Italien beispielsweise, wo schon vor dem Untergang von Byzanz durch die Handelsmacht Venedig ein reger Austausch mit Byzanz und den dort lebenden geistigen Erben der Römischen Antike erfolgt war, setzte die Renaissance naturgemäss früher, ausgehend von Florenz schon im späten 14. Jh. ein. In einigen nördlichen Ländern dagegen herrschten noch länger, zum Teil bis tief ins 16. Jh. „mittelalterliche“ Zustände.
Über die Kosmetik und Körperpflege in Europa während der von der Kirche mit strengen Sittendiktaten unterdrückten Zeit des Früh- und Hochmittelalters ist nicht allzu viel bekannt, zumal Eitelkeit und „Putzsucht“ (= das Bedürfnis, sich schön zu machen, zu schmücken und „herauszuputzen“) von der Kirche in jener Zeit als sündhaft geächtet waren und zum Teil sogar streng bestraft wurden. Das, was zur Kosmetik und Körperpflege dennoch eingesetzt wurde, dürfte zum einen auf Rezepten und Verfahren der antiken römischen Vorläufer beruht haben, bereichert durch vereinzelte eigene Errungenschaften und Einflüsse aus dem arabischen Kulturraum. Dazu kamen vermutlich überlieferte regionale Körperpflegeideen wie beispielsweise der germanische Brauch, den Körper mit Butter einzuschmieren.
Immerhin lebten die Erkenntnisse und Errungenschaften der Antike während dieser Zeit bei den Arabern weiter und wurden von diesen oft sogar noch verfeinert. Dies gilt sowohl für die Medizin und Körperpflege im allgemeinen als auch für die in der Parfümzubereitung so wichtige Technik der Destillation, also der Trennung von  Flüssigkeitsgemischen nach dem unterschiedlichen Siedepunkt der einzelnen Mischungsbestandteile. Zu den berühmtesten Gelehrten und Ärzten jener Arabischen Blütezeit, deren Werke später auch wesentlich zum Wiederaufleben der Wissenschaften und Fertigkeiten in Europa beitragen sollten, gehören etwa der arabische Gelehrte
Dschabir (=Geber) im 9. Jh. n. Chr. und besonders der Arzt und Gelehrte Avicenna, der von 980 bis 1037 lebte,.
Unverändert galt indes auch hier die nahe Verwandtschaft von Heilkunde, Kosmetik und Parfümerie. So empfahlen etwa der syrische Arzt Serapion im 9. Jahrhundert Rosenwasser als Augenheilmittel und Rosenölzucker – also eine -Zubereitung aus Zucker und Rosenöl – als „Heilmittel für den inneren Gebrauch.“

Von der Kunst des Destillierens
Body Oil

Rosenöl in der Kosmetik

Als „Destillieren“ (vom lateinischen „destillare“ für Abträufeln bzw. von „stilla“ für „Tropfen“) bezeichnet man in der Chemie die Auftrennung von (Flüssigkeits- )Gemischen in ihre Bestandteile unter Ausnutzung ihrer unterschiedlichen Siedepunkte. So kann man beispielsweise aus einer Mischung von Alkohol und Wasser, wie sie bei jeder Gärung entsteht, also beispielsweise aus Wein, den reinen Alkohol heraus destillieren, indem man diese Gemisch gerade soweit erhitzt, dass zwar der schon bei etwa 78,5 Grad Celsius siedende (Äthyl-)Alkohol aus dem Gemisch verdampft, nicht aber das ja erst bei 100 Grad Celsius siedende Wasser. Anschliessend muss man diesen Alkoholdampf lediglich abkühlen bis er sich als reiner Alkohol wieder verflüssigt. Ein Destillationsgerät besteht also im wesentlichen aus einem geschlossenen Gefäss oder „Destillierkolben“, in dem man das aufzutrennende Gemisch erhitzt. Von diesem Destillationsgefäss führte ein Röhrchen weg zu einem andern Gefäss, der sogennanten „Vorlage“, in dem das „Destillat“, also die zuerst siedenden Stoffe aufgefangen werden, nachdem sich ihr Dampf in diesem Röhrchen wieder bis zur Kondensation (=Verflüssigung) abgekühlt hat. Um diese Kondensation zu beschleunigen und nicht zuviel von dem gewünschten Destillat als Dampf zu verlieren, bildet man dieses Röhrchen meist als eine Art Kühler aus, indem man es in durch ein zweites, von kaltem Wasser durchflossenes Mantelrohr führt.
Die einfachsten Destillierapparate dürften schon den alten Sumerern und Ägyptern vor über 4000 Jahren bekannt gewesen sein. Vor allem die Araber verfeinerten dann die Technik dieser Methode immer weiter, und konnten damit im Mittelalter bereits eine grosse Zahl ätherischer Öle, Alkohol(e) und verwandte Substanzen aus Pflanzenteilen und anderen Rohprodukten gewinnen. Sie bestanden aus dem von unten beheizten Destillierkolben, dem sogenannten „cucurbita“ und einem darüber angeordneten überhängenden Hut oder Destillierhelm, dem sogenannten „Alembic“, in dem sich die Dämpfe des herausdestillierten Stoffes fangen und abkühlen sollten, um anschliessend am überhängenden Rand des Alembic abzutropfen und aufgefangen zu werden.
Aus der arabischen Zeit des 9. bis 12. Jh. und besonders aus der Zeit von Renaissance bis zum 19. Jh. sind uns unzählige Destillierbücher mit immer neuen Verfeinerungsmöglichkeiten erhalten geblieben. Auch heute noch gehören Destillationsverfahren zu den Schlüsseltechniken in der Gewinnung natürlicher Duftstoffe. Eine besonders wichtige Rolle spielte und spielt dabei bis heute die so genannte Wasserdampfdestillation, bei der heisser Wasserdampf in das zu trennende Gemisch eingeleitet wird, dieses erhitzt und zugleich als schonendes Transportmittel für empfindliche Duftstoffdämpfe dient.
Chemie und Destillierkunst standen allerdings auch in der Arabischen Welt nicht nur im Dienste der Duftstoffgewinnung und Medizin, sondern in jenem der Alchemie (ursprünglich wohl vom griechischen „Chyma“ für „Guss, Giessen“), also der Suche nach dem „Lapis philosophorum“, dem „Stein der Weisen“, der aus unedlen Metallen Gold machen und ewige Jugend schenken sollte. Mit Hilfe der Destillation versuchte man unedleren Materialien deren edle Bestandteile zu entziehen, jenes geheimnisvolle fünfte Element, die „Quinta Essentia“ oder Quintessenz , die man in ihnen neben den bekannten vier Elementen Erde, Feuer, Wasser Luft vermutete. Auf diese Weise wollte man dem Stein der Weisen, dem arabischen „Al iksir“, das unserem „Elixier“ den Namen gab, auf die Spur kommen. Natürlich fand niemand diesen sagenhaften Stein der Weisen, aber auf der Suche nach ihm gewannen die damit betrauten Gelehrten dennoch einen unschätzbaren Reichtum an praktischen chemischen Erfahrungen und Kenntnissen. Diese wiederum führten zu einer laufenden Verbesserung jener Verfahren, mit deren Hilfe man beispielsweise Pflanzeninhaltsstoffe wie duftende ätherische Öle in reiner Form gewinnen oder andere kosmetische und medizinische Stoffe herstellen konnte.
Erst im Hochmittelalter vom 12. Jh. an bis zum späten 13. Jh. gelangte das seit der Antike von den Arabern verwaltete und vermehrte Wissen wieder in grösserem Umfang nach Europa (zurück). Damals nämlich fanden die sogenannten Kreuzzüge statt, in deren Verlauf christliche (Kreuz-)Ritter und Kreuzfahrer aus dem Abendland (=Europa) ins Morgenland (=Arabien, Palästina und der Orient) zogen, um auf einen Aufruf von Papst Urban II. im Jahre 1095 hin die heiligen Stätten der Christenheit – beispielsweise Jerusalem – zu erobern und von der Besetzung durch die islamischen Herrscher zu befreien. Während dieser zwei Jahrhunderte fand neben kriegerischen Auseinandersetzungen auch ein reger kultureller Austausch statt, der in Europa schliesslich zum Wiederaufleben von Wissenschaft und Forschung und zur Entstehung von Schulen, Universitäten und Laboratorien führen sollte.

(Die folgenden Beispiele, Daten und weiteren Angaben zur Geschichte der Kosmetik in Mittelalter und Neuzeit sind grösstenteils den im Literaturverzeichnis aufgeführten Internet-Sites zur Kosmetikgeschichte entnommen, darunter insbesondere dem Site www.uniqema.com/pc/newideas/history.htm : „A Brief History of Cosmetics“)

So sollen die Kreuzritter von ihren Kreuzzügen aus dem Mittleren Osten im 13. Jh. beispielsweise die ersten Parfüms auf der Basis von Alkohol (In Alkohol gelöste Duftessenzen) nach Europa gebracht haben. Daneben gab es im Mittelalter aber offenbar auch Gegenbewegungen gegen den Gebrauch von Kosmetik die in manchen Fällen wohl ganz oder teilweise religiös motiviert gewesen sein dürften. So galt etwa im Elisabethanischen England des 14. Jh. manche Kosmetik wie etwa das Eincremen des Gesichts mit Eiweiss zur Erzielung eines Glanzeffektes als Gesundheitsbedrohung, weil durch sie Dämpfe und Energien an der freien Zirkulation behindert würden. Damals waren in England übrigens rot gefärbte Haare in Mode, und die Frauen schliefen mit Gesichtsmasken aus rohen Rindfleischscheiben um Runzeln und Falten zu glätten…
Mit der Wiederentdeckung und Würdigung der über 1000 Jahre in Vergessenheit geratenen Antike wurden in der Renaissance etwa seit dem 14. Jh. auch die reichen wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse der Griechen, Römer, Araber und anderer Kulturen wieder belebt. Im Zuge davon kam im 15. und 16. Jh. auch diese alten Rezepte und Kosmetika wieder in breiteren Volksschichten zur Anwendung einschliesslich der später noch kurz zu erwähnenden giftigen bleihaltigen Gesichtsaufheller. Die neuen Zentren für die Herstellung von Kosmetika waren Italien – insbesondere die bedeutende, weltoffene Seehandelsrepublik Venedig – und Frankreich.
Der Schwerpunkt der internationalen Parfümherstellung und Kreation lag in der südfranzösischen Stadt Grasse, wo auch heute noch mehrere Firmen der Parfümindustrie einen Sitz haben (In den Parfümeriemuseen von Fragonard www.fragonard.com und Molinard www.molinard.com in Grasse kann man sich übrigens einen Einblick in die traditionellen Methoden der Parfümgewinnung und Herstellung verschaffen)
Die Entwicklung der Wissenschaften und die weite Verbreitung neuer Erkenntnisse und Fertigkeiten wurden in der Renaissance nicht zuletzt durch die Erfindung der Buchdruckerkunst um 1450 durch den Mainzer Goldschmied Johann Gensfleisch von dem Gutenberg, kurz Gutenberg genannt, stark beschleunigt und begünstigt. Erstmals nämlich waren damit Kräuterbücher, Destillierbücher, medizinische Lehrbücher und verwandte Texte einer weiteren Gelehrtenschar als Ausgangspunkt und Anregung für eigene weitere Forschungen zugänglich.
Auf die in wissenschaftlicher Hinsicht unsagbar befreiende und fruchtbare Renaissance folgte im 17. und 18. Jh. die Epoche des Barock, die hauptsächlich von den grossen Fürsten- und Königshöfen Europas, insbesondere Frankreichs, geprägt war. Im barocken 17. und 18. Jh. war die Kosmetik vor allem im damals kulturell führenden Frankreich bald wieder in allen Volksschichten verbreitet. Intensives Wangenrot und kräftiger Lippenstift galten als Inbegriffe einer lebenslustigen Genusshaltung, die von anderen Nationen allerdings mit einer gewissen kritischen Skepsis als dekadent (vom Verfall bedroht) beobachtet wurde.
Der Gebrauch aller möglichen Duftwässer und Parfüms am Hof des Sonnenkönigs (1638 – 1715) in Frankreich, der immerhin „rund 4000 Hofbedienstete, darunter zeitweilig 75 Kapläne, 48 Ärzte, 128 Sänger, 62 Herolde, 68 Quartiermeister und 383 Köche sowie im engeren Umkreis des Königs selbst 24 Kammerherren und 24 Pagen, 32 Kammerdiener, 12 Mantelträger, 2 Flintenträger, 5 Uhrmacher, 8 Rasierer, 1 Abreiber und 3 (Teppich-)Knüpfer beschäftigte, war enorm. Andererseits gab es in dem schwer heizbaren Schloss „nur wenige Toiletten, und die vornehmsten Herren verrichteten ihre Notdurft oft auf Treppen und in Kamine. Es fehlten Bäder, und nicht nur die Damen des Hofes überdeckten ihre Körpergerüche mit starkem Parfüm“ – daher der Ausdruck „französisch Duschen“ für das Besprühen mit Eau de Toilette als Ersatz fürs Duschen und Waschen mit Seife…

<zitiert nach: www.visselhoevede.de/stadt/schule/realsch/absolut/luxus.htm>

Parfüm statt Wasser
Spa als Wellness Oase

Spa als Wellness Oase

„Nach und während der in Europa wütenden Pestepidemien prägte sich die Überzeugung, dass Feuchtigkeit und Gestank die Ursache für Fäulnis und Zerfall sei.
Um dem entgegen zu Wirken vermeide man Feuchtigkeit, kurz gesagt; man wusch sich nicht mehr. Von den Ärzten aus der Stadt Montpellier ist überliefert, dass sie für mancherlei Krankheitsmissstände den leichtfertigen Umgang mit Wasser verantwortlich machten. Allzu häufige Waschungen, erst recht aber Bäder schwächten angeblich den Körper. Der Krankheiten übertragende Gestank, der von den verwesenden Leichen ausging, von den giftigen Abfall- und Müllhaufen, die giftigen Ausdünstungen des Bodens wurden Miasmen (griechisch für „Befleckungen“ oder „Schandfleck“) genannt. Und anstatt ihn zu beseitigen, wurde er mit Wohlgerüchen überdeckt.
Um sich ein Geruchsbild von dem unvorstellbaren Gestank, der zu der Zeit des Sonnenkönigs in den Städten herrschte, zu schaffen, hier ein Stück aus Süsskinds Duftroman „Das Parfüm“:

„…Die Straßen stanken nach Mist, die Hinterhöfe nach Urin. Es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küche nach verdorbenen Kohl und Hammelfett, die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigen Staub und die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern, aus dem Mund stanken sie nach verrottenden Zähnen, aus den Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten. Es stanken die Kirchen, es stank unter Brücken und Palästen, der Handwerksgeselle, die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel und der König auch……“

Anstatt im heutigen Sinne Hygiene zu betreiben, glaubte man die schlechten Gerüche und die ansteckenden Krankheiten mit ätherischen Ölen vertreiben zu können. Wasser war verdächtig und die Kernseife, für die Marseille berühmt war, konnte sich sowieso kaum jemand leisten. Wer etwas auf sich hielt, puderte und parfümierte sich. Der Sonnenkönig Ludwig XIV soll tonnenweise Parfüms verbraucht haben.
Die damalige Duftmetropole war Grasse in der Provence. Ursprünglich war dieser Ort eine Stadt der Gerber für feinste Lederwaren über der eine Glocke unvorstellbaren Gestanks hing, der durch die Gerberbrühen entstand, welche aus Urin, Tiergalle, Eichenrinde, Lauge und sonstigen unappetitlichen Chemikalien bestand. Dieser Gestank war auch den edlen Ledertaschen und Handtaschen nicht auszutreiben. Deshalb ging man nach und nach dazu über, diesen mit Wohlgerüchen zu überdecken. Spezialisten fanden sich ein, die aus den in dieser Gegend zahlreich vorkommenden aromatischen Pflanzen ätherische Öle gewannen, mit denen die Lederwaren parfümiert wurden. Der neue Duft der Handschuhe löste beim Träger den Wunsch aus, diese Essenzen auch zum Überdecken anderer unliebsamer Gerüche zu verwenden. Dies war die Geburtsstunde der Grasser Parfümerie, und die Parfümeure verdrängten nach und nach die Gerber. „

<nach: „Ätherische Öle“ in: www.mittgard.de/archiv/>

Gegen Mitte und Ende des 18. Jh. – der Parfüm- und Kosmetikagebrauch war in Frankreich nur kurz nach der Revolution von etwa 1789 bis 1795 etwas eingeschränkt – kam dann immer mehr das leichtere „Eau de Cologne“ auf. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen vergleichsweise leichten alkoholischen Auszug aus Lavendel, Bergamotte und Bitterorangen (Neroli). Später bezeichnet „Eau de Cologne“ allgemein ein leichteres Duftwasser mit rund 5% Duftessenzen im Unterschied zu klassischen Parfüms mit 20% bis 25%. Das klassische Eau de Cologne, von dem Napoleon täglich eine ganze Flasche verbraucht haben soll, geht auf eine Erfindung des aus Italien nach Köln ausgewanderten Italienischen Barbiers Gian Paolo Feminis zurück. Dieser hatte mit seinem schon 1709 eingeführten „Aqua Admirabilis“ („Bewundernswertes Wasser“, aus Bitterorangen (Neroli), Bergamotte, Lavendel und Rosmarin in Weingeist) grossen Verkaufserfolg und zog bald seinen Neffen Giovanni Maria Farina als Mitarbeiter nach.
Dieser übernahm das Geschäft im Jahre 1732 und vermarktete das „Kölnisch‘ Wasser“ nicht nur als Duftwasser, sondern auch als vielseitiges Heilmittel gegen unterschiedlichste Leiden von Bauchschmerzen bis Zahnfleischbluten.

<zitiert nach:www.jolique.com/perfume/origin_eau_cologne.htm>

Bleiweiss, Eselsmilch und alter Wein

So unterschiedlich die kulturelle und gesellschaftliche Haltung in den alten Kulturen gegenüber der Kosmetik auch sein mochte, so war ihnen doch eines gemeinsam, nämlich der Umstand, dass sie allein aus Naturprodukten sowie eigenen und überlieferten Erfahrungen schöpfte. Natürlich kam es dadurch auch manchmal zu abenteuerlichen Inhaltsstoffen, Mischungen und Methoden, wobei blosser Aberglaube noch harmlos war: Die seit der Antike bis ins 19. Jh. gebräuchlichen
Gesichtshautaufhellungsmasken, die unter anderem auch Bleiweiss (Basisches Blei(II)- karbonat; 2 Pb(CO3)2 x Pb(OH)2) enthielten, das sich bei wiederholtem Gebrauch im Körper anreichern konnte, dürften damals für zahlreiche neurologische und andere Gesundheitsprobleme bis hin zu Lähmungen und sogar Todesfällen verantwortlich gewesen sein.
Auf der andern Seite wäre es falsch, all diesen alten kosmetischen Methoden jeden Sinn und jede Wirkung abzusprechen, nur weil für sie kein strenger wissenschaftlich untermauerter Wirkungsnachweis nach heutigem Vorbild vorlag: Die legendäre Eselsmilch, in der Kleopatra so gerne gebadet haben soll und mit der sich Neros Gattin Poppäa ihre Gesichtsmaske abwusch, und jener alte Wein, den sowohl die Römerinnen als auch die Damen des französischen Hofes im 18. Jh. zur Hautpflege verwendeten, haben beispielsweise ein durchaus und aktuelles Wirkungsprinzip gemein: (Esels-)milch und Wein enthalten nämlich – ebenso wie Trauben, Äpfel, Zitronen, Orangen oder Zuckerrohr – die in der heutigen Kosmetik als „Fruchtsäuren“ bezeichneten Alpha-Hydroxysäuren oder „AHA“ (vom englischen Alpha-Hydroxy- Acids).
Solche AHA’s oder Fruchtsäuren – beispielsweise (Alphahydroxysäuren wie zum Beispiel Apfelsäure, Zitronensäure, Milchsäure, Weinsäure, Glykolsäure) werden auch in der modernen Kosmetik in niederen Konzentrationen zwischen typischerweise 0,5 und 5 % (zum Teil auch in höheren Konzentrationen bis 10%), für die tägliche Hautpflege eingesetzt. In wesentlich höheren Konzentrationen dienen sie in der medizinischen Kosmetik für besondere Peeling-Behandlungen.

<zitiert nach „Apotheken Umschau“, Ausgabe 05/002, und nach Junginger, Hans; in: DAZ 136,/11, 14. 03. 1996, S. 44 ff>

4. Die Neuzeit

Mit dem Aufkommen einer gebildeten, und selbstbewussten und vermögenden Bürgerschicht erreichen die Produktion von und der Bedarf nach Kosmetika und Parfüm im 19. Jh. ganz neue, bisher ungekannte Grössenordnungen. Kosmetik Institute, Abteilungen in Wellness Hotels, Spas aber auch Kosmetik Shops im Internet bedienen effizient den Kunden.

Einen Eindruck vom Umfang der damaligen Parfüm- und Parfümrohstoffproduktion vermittelt die 1857 in Leipzig gedruckten „Toiletten-Chemie“ von Heinrich Hirzel (eine Übersetzung von G. W. Septimus Piesse’s „Art of Perfumery): Ihr zufolge sollen damals allein die südfranzösischen Städte Nizza und Cannes – zusammen mit dem nahe gelegenen Grasse die wichtigsten Zentren der weltweiten Parfümproduktion – jährlich etwa 25 000 kg Veilchenblüten und 625 000 kg Orangenblüten (je 1000 kg Orangenblüten ergaben nur 800 g reines Neroliöl..) produziert haben. Dazu kamen aus Cannes und Grasse noch 40 000 kg Rosenblätter, 50 000 kg Jasmin und          10 000 kg Tuberosenblüten (Nachthyazintenblüten). Hieraus und aus weiteren Blüten wurden in Cannes und Grasse zusammen jährlich 250 kg reines Neroliöl (aus Bitterorangenblüten), 450 kg reines Petitgrainöl (aus Bitterorangenblättern und – zweigen, zur Mischung mit Neroliöl), 4000 kg Lavendelöl und 1000 kg Thymianöl hergestellt.
Offenbar konnten selbst diese Mengen dem weltweiten Bedarf kaum genügen, prangt doch Hirzel schon 1857 Missbräuche und Verfälschungen im Handel mit diesen kostbaren Rohstoffen an: „Allein die Verfälschung dieses Artikels (Orangenblütenwasser) ist so gross, dass nachweislich gegen eine Million Kilogr. unechtes Orangenblütwasser versendet wird und zwar zum Nachtheil der Gesundheit derjenigen, welche dasselbe gebrauchen. …“ (Zur Streckung und Verfälschung des echten Orangenblütwassers wurden vor allem Orangenblätterwasser verwendet.)
Mit den damaligen Fortschritten der Chemie und der fortschreitenden Industrialisierung geht um die Mitte des 19. Jh. die mehrtausendjährige Ära der reinen Naturkosmetik zu Ende. Erstmals tauchen industriell und zum Teil sogar synthetisch gefertigte Kosmetika auf. Neben gereinigten Fetten, Alkohol, Salbengrundlagen und weiteren industriell hergestellten Kosmetikgrund- und Hilfsstoffenstoffen tauchten bald auch neue künstlich
produzierte Schminkpigmente und andere Inhaltsstoffe auf. (Auch die folgenden Beispiele, Daten und weiteren Angaben zur neueren Geschichte der Kosmetik sind grösstenteils den im Literaturverzeichnis aufgeführten Internet-Sites zur Kosmetikgeschichte entnommen, darunter insbesondere dem Site www.uniqema.com/pc/newideas/history.htm : „A Brief History of Cosmetics“)
So begann man schon früh im 19. Jh. in Frankreich mit der Verwendung von Zinkoxid als weisses Pigment in Gesichtspudern und Schminken als Ersatz für das traditionelle, aber gesundheitsbedenkliche Bleiweiss.
Allgemein wird die Parfümproduktion aus Naturprodukten der wachsenden Nachfrage entsprechend industrialisiert, und es entstehen mehr und mehr Kosmetikmarken und Fabriken.
Um 1890 kam dann das erste Deodorant auf der Basis von Aluminiumchlorid auf. Im Jahre 1907 erfindet der französische Chemiker Eugene Schueller, der Gründer von L’Oreal, das erste künstliche Haarfärbemittel dem er den Namen „Aureole“ (Heiligenschein, Lichterkranz) gibt.
Im Jahre 1915 kommt in Amerika der erste kommerzielle Lippenstift auf. Im Jahre 1917 sorgte die amerikanische Schauspielerin Theda Bara in Schwarzweiss-Stummfilmen für grosses Aufsehen, indem sie als Kleopatra oder Salome mit einem üppigen Helena Rubinstein Make-up auftrat. Helena Rubinstein hatte das Konzept von Mascara und farbigem Puder entwickelt, ausgehend von den farbigen Liedschatten und rot unterstrichenen Mündern im französischen Theater.
Schon 1914 hatte der aus Polen zugewanderte Kosmetikhersteller Max Factor in Los Angeles ein speziell für Filmschauspielerinnen und Filmschauspieler geeignetes Makeup entwickelt, das im Unterschied zu gewöhnlichem Bühnen-Make-up nicht zusammenbackte oder rissig wurde. In seinem monumentalen Kosmetiksalon, den er im Jahre 1935 in Hollywood eröffnete, bot Max Factor dann auch ein neues Spezial-Makeup für Film- und Fernsehschauspieler an, das den Erfordernissen der neuen Technicolor- Farbfilme und jenen des Farbfernsehens Rechnung trug.

Max Factor gehörte zu den grossen Vermarktern der Kosmetik und führte schon in den Zwanzigerjahren Massenprodukte ein mit der Werbebehauptung, „Jedes Girl könne wie ein Filmstar aussehen, wenn es nur Max Factor’s Make-up benütze…“

ISM-Kosmetik WirkBar Kosmetik

Schön gepflegt

Im Jahre 1920 erfand der ebenfalls aus Polen Stammende Amerikaner Leo Gerstenzang die Q-Tips-Wattestäbchen und seit 1927 ermöglicht die Technik der Dauerwelle eine freiere Frisurengestaltung.Von den Dreissigerjahren an wird der jeweils aktuelle Make-up-Stil immer stärker von Filmstars mit geprägt. In dieser Zeit kam in Hollywood auch die sonnengebräunte Haut als natürliche und naturnahe Alternative zur künstlich blassen Haut auf, die zuvor als Modeideal gegolten hatte. Schon in den frühen Dreissigerjahren experimentierte der australische Chemiker H. A. Milton Blake mit einer so genannten „Sunburn Cream“, die damals von der Universität Adelaide getestet und für gut befunden wurde und zur Gründung des heute noch bestehenden Sonnenschutzkosmetikherstellers Hamilton Laboratories (www.hamiltonlabs.com.au) führte (Der Bezeichnung „Sunburn Cream“
Im Jahre 1936 entwickelte L’Oreal-Gründer Eugene Schueller den ersten chemischen Sonnenschutz. Im Jahre 1944 produzierte der Apotheker Benjamin Green in seiner Küche in Florida das nachmals unter dem Namen „Coppertone Suntan Cream“ berühmte Sonnenschutzmittel, aber erst im Jahre 1980 kam Coppertone mit dem ersten kombinierten UVA/UVB Sonnenschutzfilter auf den Markt.
In den Fünfzigerjahren kamen vermehrt Bräunungshilfen auf den Markt, nachdem noch während des Zweiten Weltkrieges als Folge eines Mangels an Damenstrümpfen ein eigenes „Bein-Make-up“ vermarktet worden war. Die Fünfzigerjahre erlebten aber auch die Triumphe zahlreicher anderer grosser Kosmetik- und Parfüm-Marken, die wie unter anderem die legendäre Nina Ricci, Coco Chanel oder auch Christian Dior, aus der Haute Couture hervorgegangen waren. Weitere wichtige Namen, die auf diese Zeit zurückgehen oder aber – obschon viel länger bestehend – damals zu ihrer anhaltenden Bedeutung kamen sind etwa Elisabeth Arden, Revlon, Charles of the Ritz, Guerlain, Germaine Monteil und andere.
In der Nachkriegszeit der Fünfzigerjahre richtet sich das Hauptaugenmerk der dekorativen Kosmetik auf Lippen und Augen. Dies führte in den Sechzigerjahren dann zu einer zweigleisigen Entwicklung. In deren Verlauf konnte man nebeneinander so Gegensätzliches beobachten wie einerseits künstliche Wimpern, purpurfarbene oder hellrote Lippen, exotisches Augen-Make-up in ägyptischem Stil und sogar aufgemalte Schmetterlinge im Gesicht und andererseits eine wachsende Hinwendung zu „natürlicher Kosmetik“ mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Karottensaft und Wassermelonenextrakt…
In den Siebzigerjahren verstärkte sich nicht zuletzt unter dem Einfluss eines gewandelten Umweltbewusstseins dieser Trend zur Naturkosmetik, während gleichzeitig einzelne Kosmetikinhaltsstoffe verboten wurden, deren Gewinnung den Fortbestand gefährdeter Arten bedrohte. (Beispiele sind etwa gewisse Substanzen aus Wal-Fett usw…)
Auch in den Achtzigerjahren sieht man eine kräftige Betonung der Augenpartie mit einer breiteren Farbpalette im Kontrast wiederum zu einem eigenen „Natural Look“. Zugleich macht die Kosmetikindustrie Fortschritte im Einsatz neuer Wirk- und Pflegesubstanzen. So kommt im Jahre 1987 das erste Kosmetikum für die Pflege reifer Haut auf der Grundlage von Liposomen auf den Markt.
Seit den Achtzigerjahren, verstärkt noch in den Neunzigerjahren, wird die ja bereits viel früher vereinzelt angelegte Verknüpfung von Mode und Parfümerie immer enger und kommerziell ausgebaut. Nicht nur Modeschöpfer von Kenzo über Nina Ricci, Cacharel und Jean-Paul Gaultier bis zu Thierry Mugler dienen fortan als marketingwirksame Namenspaten für ganze Parfüm- und Duftlinien, sondern auch SportlerInnen, KünstlerInnen und weitere Prominenz. Selbst Luxusgüterhersteller und Juweliere runden inzwischen ihre übrigen Produktelinien durch eine eigene Parfümlinie ab.
Dem immer rascheren Wechsel olfaktorischer Modeströmungen (Geruchlicher Modeströmungen) und der hochspezialisierten, mit modernsten Wirkstoffen, und Texturen ausgestatteten Hightech-Kosmetik stellen sich im letzten Jahrzehnt des 20. Jh. bezeichnenderweise in der Parfümerie, mehr aber noch in der Kosmetik eine eigene Bewegung hin zu altbewährten Traditionsprodukten und sortenreinen, unvermischten kaum abgestimmten Düften entgegen. Während sich junge Frauen dank moderner, sicher und einfach anzuwendender Tönungen heute beliebige, zuweilen betont grellunnatürliche Haarfarben und Mähnen leisten (können), wenden sich viele von Ihnen in der Kosmetik wieder ganz traditionellen, ja geradezu altmodischen Produkten zu. Als typisches Beispiel hierfür sei nur jene Feuchtigkeitscrème „Crème de la Mer“ angeführt, die von Estée Lauder rund 30 Jahre nach ihrer Entwicklung durch den amerikanischen NASA-Weltraumwissenschaftler Max Huber im Jahre 1996 mit grossem Erfolg wieder auf den Markt gebracht wurde. Aufbauend auf diesem ebenso bewährten wie erfolgreichen Klassiker schuf Estée Lauder zum Jahre 2000 sogar eine ganze Haut- und Körperpflegefamilie. Im Zuge dieser Hinwendung zum Altbewährten stossen heute beispielsweise auch traditionsreiche alte Parfüms wieder auf starke Nachfrage, allerdings meist in einer neuen, aktualisierten Rezeptur. So wurde das ursprünglich 1929 von Bourjois eingeführte und schon bald als „bekanntester Duft der Welt“ gefeierte Parfüm „Soir de Paris“ im Jahre 1992 in einer neuen Rezeptur wieder aufgelegt.

Kosmetik und Kunst

Die Selbstverständlichkeit, mit der heute selbst höchstwertige Kosmetika und kostbare Parfüms für das breite Publikum erhältlich sind, lässt zuweilen vergessen, welch hochstehende Kunst mit feiner Kosmetik, Schönheitspflege und der Kreation edler Parfüms einst verbunden war – und im Grunde trotz aller wissenschaftlichen Forschung und Industrialisierung der Produktion auch heute noch ist.
Einen deutlichen Hinweis auf diese Verwandtschaft von Kunst und Kosmetik liefert jedoch die Beobachtung des künstlerischen und kunsthandwerklichen Aufwandes der seit der Antike bis heute im Zusammenhang mit der Verpackung, Aufbewahrung und Präsentation von Parfüms und Kosmetika getrieben wurde und wird. Tatsächlich gehören jene Schminkuntensilien wie die oft in Tierform gestalteten Schminkpaletten aus Schiefer und Kohl-Töpfchen aus Speckstein und anderen Materialien, die Sumerer und Ägypter – und wahrscheinlich sogar schon die Menschen vorangegangener vorgeschichtlicher Kulturen – ihren Verstorbenen ins Grab und mit auf den Weg ins Jenseits gaben zu den ältesten und kostbarsten kunsthandwerklichen Arbeiten der Menschheit überhaupt. Auch die alten Griechen, die vor den Römern in Italien lebenden Etrusker und die Römer selbst gaben ihren Verstorbenen Kosmetika mit ins Grab, für die sie eigens kunstvolle Gefässchen in Ton, Bronze und Glas, ja zuweilen sogar in Gold, Silber, Bergkristall und anderen edlen Materialien schufen. Für Duftöle und Parfüms verwendeten die Griechen beispielsweise seit etwa 500 v. Chr. spezielle, meist in dünnwandigem Ton gefertigte, typischerweise etwa 3 bis 15 cm hohe bauchige und enghalsige Fläschchen, die sogenannten „Aryballoi“ (=Mehrzahl zu Aryballos), die oft aufwendig dekoriert und bemalt waren. Verwandten Zwecken diente das ähnlich geformte und ursprünglich wohl in Ägypten aus dem marmorähnlichen Stein Alabaster, später aber auch in Ton und Glas gefertigte Alabastron. Als etwas grössere Salbgefässe kannten die Griechen dagegen die sogenannte Lekythos, während ihnen runde Deckeldosen aus Ton zur Aufbewahrung diverser Kosmetiksachen und Schmuckgegenstände dienten. Den Archäologen und Sammlern wohlbekannt sind im weiteren auch die Römischen „Unguentaria“ (Mehrzahl vom lateinischen „Unguentarium“ für Salbgefäss, Salbtöpfchen; das lateinische Wort „Unguentum“ findet sich übrigens im französischen „onguent“ und im englischen „ointment“ für Salbe wieder.), die meist aus Glas gefertigt und etwa seit dem 1. Jh. n. Chr. im ganzen Römischen Weltreich verbreitet waren. Eine andere Bezeichnung für diese Salbgefässe lautet „Balsamarium“ (von Balsamum = Balsam, nach dem Balsamstrauch Cedronella Triphylla). Aus dem 19. Jh. stammt dagegen ihre Bezeichnung als „Tränenfläschchen“ oder „Lacrimarium“ (von lateinisch Lacrima=Träne), weil man annahm, dass dem Toten in solchen Fläschchen die gesammelten Tränen seiner trauernden Hinterbliebenen ins Grab mitgegeben wurden. Dass es sich bei all den erwähnten antiken Gefässen wirklich um Kosmetikgefässe handelte, geht zum einen aus der Deutung von Wandbildern und Mosaiken aus griechischer und römischer Zeit hervor und zum andern aus der chemischen Untersuchung von Inhaltsresten in einzelnen dieser Gefässe, in denen sich Spuren kosmetisch benutzter Öle und verwandter Substanzen fanden.
Aber auch in späterer Zeit vom Mittelalter bis in die Neuzeit des 19. und 20. Jh. wurden Gefässe für Kosmetika und Parfüms oft mit besonderer Kunstfertigkeit geschaffen und dekoriert, nicht selten auch aus kostbaren Materialien, die dem edlen Inhalt entsprachen. Die enorme Vielfalt an Parfümfläschchen in Glas, Metall, Porzellan usw. aus dem 17. bis 19. Jh. bildet sogar ein eigenes grosses Sammelgebiet des internationalen Kunstmarktes. Selbst die modernen Verpackungen und Flakons moderner industriell gefertigter Parfüms werden heute oft gesammelt und teuer bezahlt, immerhin finden sich darunter manchmal regelrechte Meisterwerke so berühmter Designer wie René Laliques und anderer. Eine beliebtes Spezialsammelgebiet innerhalb der Kosmetikverpackungen und Parfümfläschchen bilden heute ferner die ebenfalls in grosser Vielfalt und mit unterschiedlichem künstlerischem Anspruch gefertigten Parfüm-Musterflakons oder „Perfume Sampler“.
Etwa seit den 60er Jahren des 20. Jh. beobachtet man eine regelrechte Renaissance der künstlerischen Parfümverpackungsgestaltung. Ein künstlerisch anspruchsvolles, originelles und aus der Menge herausragendes Parfümflakon kann nämlich nicht nur einen zusätzlichen Kaufanreiz darstellen, sondern hilft auch, die edle Kostbarkeit seines Inhaltes zu unterstreichen und zugleich dessen industrielle Herkunft zu vergessen…

5. Verwendete und weiterführende Literatur & Links

Geschichte und Begriffe der Kosmetik und Parfümerie

Bartels Klaus und Huber Ludwig (Redaktion); „Lexikon der alten Welt“, Artemis Verlag Zürich und Stuttgart, 1965

Gemoll, Wilhelm; „Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch“, 8. Auflage, G. Freytag Verlag, München-Wien, 1962

Gildemeister, Eduard und Hoffmann, Friedrich; „Die Aetherischen Oele“; Verlag von Julius Springer, Berlin, 1899

Hirzel, Heinrich; „Toiletten-Chemie“ (Übersetzung von G. W. Septimus Piesse, „Art of Perfumery“); Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber, Leipzig, 1857

Kloos, Werner; „Spiegel der Schönheit – kleine Kulturgeschichte der Haar- und Schönheitspflege“; Verlag Coriolan GmbH, Hamburg, 1952

Kluge, Friedrich; „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“; Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1967

Kunze, Georg und Winderlich, Hartmut; „Kosmetik und Kulturgeschichte“, 1976; Herausgeber: Inka Cosmetic S.A., Marly-Fribourg/Suisse; (mit Abbildungen aus dem Wella-Museum, Darmstadt)

Mann, H.; „Die moderne Parfümerie“; Verlag für chemische Industrie H. Zioilkowsky, Augsburg, 1912

Müller, Julia, Bräuer, Hans et al.; „Das H&R Buch Parfum“, H&R Edition, Glöss Verlag, Hamburg, 1984

Petschenig, Michael; „Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch – Der kleine Stowasser“; Orell Füssli, Zürich, 1965

Rosenbohm, Ernst; „Kölnisch Wasser – Ein Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte“, Albert Nauck & Co, Berlin, Detmold, Köln, München 1951
Schefer Faux, Dorothy, Nathalie Chahine et al.; „Schönheit Beauty Beauté – Eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhhunderts“; Schirmer/Mosel, München, 2000

Schidrowitz, Leo (Hrsg.); „Sittengeschichte des Intimsten“; aus der Reihe: „Sittengeschichte der Kulturwelt und Ihrer Entwicklung in Einzeldarstellungen“; Verlag für Kulturforschung, Wien / Leipzig, 1929
Wurm, Heinrich; „Warenkunde für den Seifen-, Parfümerien und Bürstenhandel“; Ferdinand Holzmann Verlag, Hamburg, 1950
LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) Jahresbericht 2000 (Dior)
LVMH, 30, Avenue Hoche, F-75008 Paris – France; www.lvmh.com

Quelle www.kosmetikwissen.ch herzlichen Dank an den Autor Christian von Faber Castell, dass wir diesen interessanten Bericht veröffentlichen dürfen.

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